Dhammapada (v.360-423)

Bhikkhu - Bhikkhu

 
360
Gut ist es, Auge, Ohr und Nase zu bewachen
Und auch die Zunge, daß sie uns nicht lüstern machen.
 
361
Beim Wort und bei der Tat, da gilt es wachsam sein;
Wachsam beim Denken auch, sei wachsam allgemein!
Ein Mönch, der wachsam ist, wird sich von Leid befrei'n.
 
362
Ein rechter Mönch nimmt Hand und Fuß und Wort' in acht,
Zufrieden, einsam, froh, auf Geisteszucht bedacht.
 
363
Gar lieblich spricht ein Mönch mit wohl beherrschtem Mund,
Macht er mit Maß und klug die Lehre lichtvoll kund.
 
364
Ein Mönch, der Lehre froh, der nachsinnt über sie
Und sich ihr widmet viel, abtrünnig wird der nie.
 
365
Begnüg' dich, Mönch, mit dem, was man dir gibt, und sieh
Auf andre nicht mit Neid, sonst find'st du Sammlung nie.
 
366
Wirst du auch knapp versorgt, sei drum nicht mißgestimmt!
Die Götter loben den, der stets sich rein benimmt.
 
367
Wer den beseelten Leib nicht als sein Ich betrachtet,
Um Nicht'ges sich nicht sorgt, der wird als Mönch geachtet.
 
(*368) 368
Ein Mönch, der Güte pflegt, vertraut mit Buddhas Wort,
Der findet Ruh' und Glück, gelangt zum Friedenshort.

369
Schöpf' aus das Schiff, o Mönch, dann fährt es schnell und leicht;
Sind Gier und Haß getilgt, dann ist Nirvan' erreicht.
 
370
Zerbrich die fünf (samyojana 1-5),
laß ab von fünf (samyojana 6-10),
fünf (bala) mußt du nähren;
Wer die fünf Bänder (khandha) löst, der kann die Flut durchqueren.

371
Versenk' dich, Mönch, sei achtsam, laß dich nicht zerstreuen,
Daß du nicht glühend' Eisen schlucken mußt und schreien!
 
372
Wie Jhāna Weisheit braucht, so braucht die Weisheit Jhāna;
Wenn beides sich vereint, dann ist nicht weit Nirvana.
 
373
Ein Mönch, gedankenstill, einsam in leerer Zelle,
Ist übermenschlich froh; ihm scheint die Lehre helle;
 
374
Sieht bei den Gruppen er das Werden und Vergehen,
Erlangt er Freud' und Glück und wird Nirvana sehen.
 
375
Auf diese Weise soll ein weiser Mönch beginnen:
Er sei genügsam, züchtig, mit bewachten Sinnen;
Zu Freunden mag er Reine, Tüchtige gewinnen;
 
376
Er sei stets liebevoll, im Wandel tadellos;
So endet alles Leid, und seine Freud' ist groß.
 
377
Wie der Jasmin wirft ab verwelkte Blütenzier,
So werfe ab der Mönch die Feindschaft und die Gier!
 
378
Befriedet heißt ein Mönch, der ruhig handelt, spricht
Und denkt, gesammelt ist, auf Weltlust nicht erpicht.
 
379
Erforsche dich, o Mönch, und halte dich zurück,
Besonnen, selbstbeherrscht! So lebst du stets im Glück.
 
380
Du bist dein eig'ner Herr, drum zügle selbst dich gut,
Wie mit dem edlen Roß ein kluger Händler tut.
 
381
Mit Freuden kommt der Mönch, vom Buddhawort erfüllt,
Beglückt zum Friedenshort; die Triebe sind gestillt.
 
382
Ein Mönch, wenn auch noch jung, dem Buddhawort geweiht,
Der leuchtet wie der Mond, von Wolkendunst befreit.

 
(*f20) "Brahmane" bedeutet hier und an manchen anderen Stellen: "der echte Brahmane, der heilige Mann, der Weise", und wird in der Übersetzung bald durch das eine, bald durch das andere Wort wiedergegeben.

 (*f21) Nach dem Kommentar: auf dem Wege der Beruhigung und auf dem der Hellsicht gehend; zugleich Anspielung auf die Bezeichnung der Brahmanen als "Zwiefach Geborene".


Brāhma - Der Brahmane

 
383
Strom halt' tapfer auf, wirf weg die Lust, Brahmane (*f20),
Sieh alles, wie's vergeht, und schaue das Nirvana!
 
384
Bist du ans Ziel gelangt, Brahmane, zwiefach gehend (*f21),
Dann fallen von dir ab die Fesseln; du wirst sehend.
 
385
Geht ihn das Diesseits und das Jenseits nichts mehr an,
Von Furcht und Fesseln frei, der ist ein heil'ger Mann.
 
386
Wer wunschlos sich versenkt und seine Pflicht getan,
Von Fesseln frei, am Ziel, der ist ein heil'ger Mann.
 
(*387) 387 
Die Sonne glänzt am Tag, der Mond glänzt in der Nacht,
Der Weise, wenn versenkt, der Held in Waffenpracht;
Doch Tag und Nacht erglänzt des Buddhas Geistesmacht.
 
388
Brahmane heißt: vom Übel frei; ein Samana (Asket, Mönch):
Der ruhig geht; vom Schmutz erlöst: Pabbājita (*).
(*) Weltentsagender; im Pali sind dies drei Wortspiele, die nicht übersetzbar.
 
389
Brahmanen schlage nicht! Brahmane, wehr' dich nicht!
Weh dem, der einen schlägt! Weh dem, der widerficht!
 
390
Brahmane, nicht gering acht' die Enthaltsamkeit!
Gib auf die Angriffslust! So schwindet alles Leid.
 
391
Kein Unrecht tun in Werk, in Worten und Gedanken!
Ein echter Brahmana darf hierin niemals schwanken.

392
Wer uns das Buddhawort erklärt, der sei uns teuer!
Man ehre ihn, wie der Brahmane ehrt das Feuer.
 
393
Brahmane wird man nicht durch Haartracht oder Ahnen;
Nur die in Recht und Wahrheit leben, sind Brahmanen.
 
394
Wozu das Haargeflecht? Wozu das Fell, der Putz?
Du Tor bist außen fein und innerlich voll Schmutz.
 
395
Den Mann im Lumpenkleid, voll Adern, abgezehrt,
Der sich im Wald versenkt, halt' als Brahmanen wert!
 
396
Brahmane ist nicht der, der sich berufen kann
Auf Ahnen, eingebildet und ein reicher Mann;
Wer arm und wunschlos, den sieh als Brahmanen an!
 
397
Wer alle Ketten brach und nichts zu fürchten hat,
Der Freigeword'ne ist Brahmane in der Tat.
 
(*398) 398 
Brahmane ist nur, wer von Bindung frei sich machte,
Die Kette brach, den Riegel hob und dann erwachte.
 
399
Brahmane heiße, wer unschuldig Schimpf und Strafe
Erträgt und die Geduld gebraucht als starke Waffe.
 
400
Brahmane heiße, wer den Zorn hat abgelegt
Und, wunschlos, sittsam, fest, den letzten Körper trägt.
 
401
Brahmane heißt, von dem die Lust abgleitet glatt
Wie von der Nadel Senf, wie Tau vom Lotusblatt.
 
402
Brahmane heißt, wer hier des Leidens Ende fand,
Die Last abwarf und alles abschnitt, was ihn band.
 
403
Die, weisheitstief und klug, den Weg und Abweg kennen,
Ans Ziel Gelangte, sie will ich Brahmanen nennen.
 
404
Brahmane heißt, wer, heimatlos, Verkehr nicht pflegt
Mit Pilgern und mit Volk und wenig Wünsche hegt.
 
405
Brahmane heißt, wer niemals eine Waffe trägt,
Ob schwach, ob stark, kein Wesen schlagen läßt noch schlägt.
 
406
Brahmane heißt, wer gegen Feinde sich nicht wehrt,
Bei Heft'gen ruhig bleibt, bei Gier'gen nicht begehrt.
 
407
Brahmane heißt, bei wem, wie an der Nadel Spitzen
Kein Senfkorn, so nicht Gier und Haß und Stolz bleibt sitzen.
 
408
Brahmane heißt, wer klug und wahr die Worte setzt
Und niemals rauh und grob, so daß er nicht verletzt.
 
409
Wer nichts nimmt ungeschenkt, ob kurz, ob lang, ob klein,
Ob groß, ob gut, ob schlecht, der mag Brahmane sein.
 
410
Wer nicht nach dieser Welt und nicht nach jener trachtet,
Wunschlos und fesselfrei, sei als Brahman' erachtet.
 
411
Wer wunschlos, weisheitsstark den Zweifel überwand
Und zum Nirvana kam, sei Brahmana genannt.
 
412
Wen nicht Verdienst noch Schuld hier bindet, wer ganz rein
Und ohne Sorgen lebt, der mag Brahmane sein.

(*413) 413
Brahmane heißt, wer, wie der Mond, so rein und klar ist
Und alles Strebens nach der Welt Vergnügen bar ist.
 
414
Wer gänzlich überwand die Wandrung durch die Welten,
Der sich versenkt und den nicht Wunsch noch Zweifel quälten,
Der ganz erloschen ist, mag als Brahmane gelten.
 
(*415) 415
Brahmane heißt, wer hier auf Sinnenlust verzichtet
Und, heimatlos, den Lust- und Lebenstrieb vernichtet.
 
416
Brahmane heißt, wer hier den Lebensdurst vernichtet
Und, heimatlos, auf Durst und Leben ganz verzichtet.
 
417
Brahmane heißt, wer sich von aller Bindung trennt,
Bindung an Menschen und an Götter nicht mehr kennt.
 
418
Brahmane heißt, wer frei von Lust und Leid sich hält,
Kühl, ohne Leidenschaft, die Welt besiegt als Held.
 
419
Wer Werden und Vergeh'n der Wesen in den Welten
Kennt, haftensfrei, erwacht, mag als Brahmane gelten.
 
420
Der, dessen Weg nicht Götter, Engel, Menschen kennen,
Der weltfrei, heilig ist, mag sich Brahmane nennen.

421
Brahmane heißt, wer nichts besitzt und nichts vermißt,
Auch nichts erhofft, wer arm, doch ohne Wünsche ist.
 
422
Den sieghaft starken Held, den wunschlos großen Weisen,
Den voll Erwachten will ich als Brahmanen preisen.
 
423
Wer früh're Leben kennt, Himmel und Unterwelten,
Ein Wissensreicher, der des Daseins Ende fand,
Ein ganz vollkomm'ner Mensch mag als Brahmane gelten.

 

Ende des Dhammapada


 Home Oben Zum Index Zurueck Voraus


="40" height="40"> Voraus